Am 20. Dezember starteten die Ferien, aber die letzten Tage waren so aufwendig und voller Trubel, dass wir spontan die Abreise um einen Tag verschoben hatten, damit sich Jürgen ausgeruht hinters Steuer setzen konnte. Also trafen wir letzte Vorkehrungen zuhause, um dann am 21. Dezember morgens nach Nauen zu starten, wo unser Womo stand. Dort angekommen stand das gute Stück schon auf dem Hof, so dass wir es „nur“ noch beladen mussten.

Heiko staunte nicht schlecht als er sah, wie viele Koffer, Tüten, Taschen, Pakete und sonstige Gegenstände in einen kleinen C3 passen. Cintia war bepackt bis unters Dach. Das Packen nahm mehr Zeit in Anspruch als gedacht, aber wir sind das Chaos beim Starten ja gewohnt. Im Vorfeld hatte ich Heiko noch gefragt, ob wir für einen 10er für die Kaffeekasse noch fix den Wassertank befüllen können. Wie immer bejate er, also fing ich an Wasser zu tanken, um nach wenigen Sekunden festzustellen, dass der Tank noch voll war. Nun hatten wir ihm aber die zehn Euro versprochen und er war so süß alles für uns vorzubereiten, also haben wir ihm trotzdem das Geld in die Hand gedrückt. Warum das Wasser gleich doppelt teuer war, erfahrt ihr am Ende des Beitrags. 😀

Nach langem Schuften gings dann auf die Piste in Richtung Bayern, mit kurzem Tankstopp in Potsdam. Wir waren uns nicht sicher, ob wir bis Österreich kommen oder noch in Bayern pausieren wollten, da die Wetterlage bescheiden war. Wind und Regen machten nach dem frühen Sonnenuntergang die Fahrt anstrengender als es hätte sein müssen. Schon nach kurzer Strecke entschieden wir uns für einen Powernap, um dann bis nach drei Uhr nachts durchzufahren. Dann machte ich Schlapp und Jürgen wollte bei den schlechten Bedingungen nicht alleine weiterfahren, ohne Beifahrer, der ebenfalls aufmerksam alles im Blick hatte, also entscheiden wir uns kurz vor der österreichischen Grenze zu übernachten.

Morgens gings dann über die Grenze, wo wir feststellen mussten, dass es innerhalb der EU gar nicht mehr so einfach ist, Grenzen zu überwinden. Raus aus Deutschland gings ganz leicht (Spoiler: auch alle anderen Grenzen waren offen), aber von Österreich nach Deutschland rein staute es sich sehr lange. Diese scheiß rechtskonservativen Parteien zersprengen unser Europa und katapultieren uns zurück in den Nationalismus. Widerlich!

In Österreich angekommen wollten wir erneut tanken. Unnötig komplizierte Automaten mit App und QR-Code. Also erst Code scannen, App laden, 200 Euro Grenzwert eingeben, da uns Mädchen ja über 100 Lier Fassungsvermögen hat und dann zack, 130 Euro und Ende. Nix ging mehr. Ich also nochmal einen neuen Tankvorgang gestartet, der abgelehnt wurde, um dann festzustellen, dass es ein Terminal mit Kreditkartenzahlung gab, das ich einfach übersehen hatte, also wurde der Rest noch nachgetankt und mit Kreditkarte gezahlt, damit wir die Fahrt fortsetzen konnten.

Ursprünglich wollten wir am Sonntag, 22. Dezember in Kroatien ankommen, aber die Tour verlief weiter schleppend. Regen, Nebel und ein fetter Stau auf der A10 – eine Mautstraße, die wir nur für viel Geld passieren durften. Zusätzlich zur Vignette, die wir sowieso buchen mussten. Drei Stunden Stau für rund 30 Euro – ein Spaß für die ganze Familie. Natürlich hätte man abfahren können, um den Stau zu umfahren, aber dann würde man ja die Maut umgehen, weshalb alle potentiellen Umgehungsstraßen gesperrt wurden, damit keiner die Autobahn verlassen darf. Ach Österreich, man muss euch einfach lieben.

Der Stau und der anhaltende Regen ermüdeten uns so sehr, dass wir uns in Kroatien meldeten, um unsere Ankunft um einen Tag zu verschieben. Dann rief ich in Ljubljana bei einem kleinen Lokal an, das als „Camper Stop“ zwölf Womo-Plätze anbot. Nachdem wir die Zusage erhielten, dass geöffnet ist und wir noch Asyl erhalten würden, fuhren wir also die Hauptstadt Sloweniens an. Slowenien nimmt zwar auch eine Mautgebühr, aber dafür waren die Straßen super ausgebaut. Wir konnten easy die Stadt umfahren, um ans andere Ende zu gelangen, wo wir uns zuerst beim Wirt anmeldeten und uns dann einen Platz auf dem Hof suchten. Todmüde fielen wir ins Bett. Am nächsten Morgen öffneten wir die Fenster und stellten fest: Oh je, Schnee! Und nicht gerade wenig. Morgens, als wir uns Waschen und die Zähne putzen wollten, stellten wir fest, dass wir vergessen hatten unsere Wasserpumpe bei der Fahrt abzustellen. Daher trat folgende Kettenreaktion in Gang: Der Wohnraum des Womos kühlte während des Staus oder der Fahrt so sehr aus, dass das Thermostat unter 8°C fiel. Das signalisierte dem Ablaufventil, dass es zu kalt werden könnte und die Leitungen einfrieren könnten, das wiederum führt dazu, dass ein Hebel sich umlegt und der Ablauf aller Wasserleitungen in Gang tritt, um einen Defekt selbiger bzw. des Boilers zu verhindern. Die Pumpe, die wir vergessen hatten abzuschalten, wird angeschmissen und sie pumpt das komplette Wasser aus dem Womotank. Folge: Wasser weg, wir sitzen auf dem Trockenen. Also mit Trinkwasser aus der Flasche waschen und Zähne putzen. Halbwegs frisch, hüpfte ich aus dem Womo in den Schnee, und stapfte zum Restaurant, das wir uns für einen weiteren Besuch in Slowenien unbedingt merken müssen, um unsere bestellten Brötchen abzuholen, dann frühstückten wir und weiter ging die Wilde fahrt.

Kroatien kann kommen!