Da wir mal wieder mit allem getrödelt hatten und mir der Schulstress auch über beide Ohren Stand, haben wir uns dazu entschieden, dass Juergen nicht früher losfährt und ich nachfliege. Stattdessen wollten wir donnerstags, am ersten Ferientag starten.

Als wir dann in den letzten Zügen unserer Vorbereitung waren, noch fix waschen und das Womo durchputzen wollten, mussten wir leider feststellen, dass halb Fahrland out of Wasser war. Die Bauarbeiten in Krampnitz haben die Hauptleitung nach Fahrland demoliert, was wohl eine größere Sache war. Somit hatte unsere Werkstatt aber auch nochmal ein wenig länger Zeit, um das Womo durchzuchecken, damit auch nichts schiefgehen kann. Spoiler: wir wurden eines Besseren belehrt, aber dazu später mehr. Als dann wieder alles (im wahrsten Sinne des Wortes) lief, konnten wir die Reise dann mit weiterer Verzögerung antreten. Am Samstagabend sattelten wir das Mädchen und düsten los. Juergen entschied sich dazu, möglichst lange zu fahren, um die Zeit wieder einholen zu können. So fuhren wir bis nach vier Uhr nachts und schliefen nur kurz auf einem Rastplatz in Tschechien, um ordentlich „Strecke zu machen“. So erreichten wir schon am Sonntag die serbische Grenze und oh mein Gott, war das nervig! Über eine Stunde in der prallen Sonne anstehen. Auto an, zwei Meter vorfahren, Auto aus… Furchtbar. Dann wurde von den ungarischen Grenzern noch unser Womo kontrolliert, weil sich der Gute wohl nicht vorstellen konnte, dass zwei Männer alleine reisen. Da muss wohl was bzw. wer versteckt sein. Dabei wollten wir Ungarn ja nur in Richtung Serbien verlasen. Was wir dann auch weit nach 22 Uhr schafften. Da es draußen schon dunkel war, konnten wir auf der Autobahn richtig schön unsere rote Batteriekontrolllampe sehen, die uns sagte „so weit kommt ihr jetzt aber nicht mehr!“

Also alles aus was Strom zieht (und davon haben wir viel zu viel) und alle zehn Minuten den Stromstand, mit Hilfe der Anzeige einer Kühlbox, kontrolliert. So haben wir es dann noch zum Camp Dunav in Belgrad geschafft. Hier konnten wir unser Mädchen an Strom anschließen. Nachdem die Bordbatterie wieder voll war, lud dann auch die Starterbatterie.

Am Montag suchten wir dann nach einer Werkstatt. Der erste, ein End-40er Serbe wurde mega unfreundlich uns machte mir auf Serbisch deutlich, dass wir uns „verpissen sollen“. Als ich höflich nachfragte, ob er mir denn einen Kollegen empfehlen könne, wurde er leicht aggressiv, weshalb wir uns aus dem Staub machten.

Die zweite Werkstatt war sehr aufgeräumt. So aufgeräumt, dass da wirklich gar nichts mehr war. Nüschte, nicht einmal ein Mitarbeiter. Also zur dritten Werkstatt. Jürgen hat auf den Bildern einen Citroen entdeckt, was ihn direkt erfreute. Dort angekommen wurden wir unfassbar freundlich empfangen. Ein etwas älterer Mitarbeiter begrüßte mich, machte mir aber deutlich, dass er so gar nichts verstehe, weil er kein Englisch spricht. Dieser rief dann einen jüngeren Mechaniker, der fließend Englisch sprach. Der lud mich dann auf eine Cola in die klimatisierte Werkstatt ein und erklärte mir, dass sie das Problem sicher lösen können, aber er erst mit dem Chef sprechen müsse, bevor er einen weiteren Auftrag annimmt, da sie so viel zu tun hätten. Der Chef, der dauergrinsend durch die Werkstatt lief, war dann auch fix da und sagte uns bzw. dem jüngeren Mitarbeiter, der für uns als Übersetzter fungierte, dass wir das Womo abends vorbeibringen sollen. Als wir erklärten, dass wir darin übernachten und es nicht über Nacht abgeben könnten, sagte man uns, dass wir am Dienstag bereits min. 30 Minuten vor der Öffnungszeit aufschlagen sollen, damit sie sofort starten können. Sie würden ihr Bestes geben, es bis abends fertig zu haben und wenn nicht, könnten wir ja auf dem Hof übernachten. Es sei auch alles gesichert. Man gab uns noch eine Karte, falls das Auto doch nicht anspränge käme man uns abholen.

Was ein Service!

Dann sind wir heute wie vereinbart dort aufgeschlagen und schon wurden zig Autos umgeparkt, damit wir das Schiff ordentlich abstellen konnten. Sofort legte sich der Dolmetscher unters Auto und legte los. Das Ganze war wohl etwas komplizierter, denn er fluchte das ein oder andere Mal und zu allem Überfluss, lag der arme Kerl noch in der prallen Sonne.  Nachdem alles ausgebaut und geprüft war, kamen der Chef und der übersetzende Mechaniker zu uns, brachten uns eine eiskalte Flasche Cola und erklärten, dass sie einige Teile abbauen und erneuern müssten, dass sie aber so schnell nicht die richtigen Teile bekämen und somit eine Reichweite von maximal 20.000 km möglich wäre, aber diese könnten sie nicht garantieren, da es eine Notlösung sei. Alternativ könnten sie aber auch für 250 Euro eine neue Lichtmaschine besorgen und diese für 50 Euro einbauen. Gesagt getan! Und schon fuhr der Chef los, um unsere Lichtmaschine zu besorgen. Zwei Stunden später war alles erledigt und wir konnten weiter. Natürlich nicht ohne dem netten Team ein angemessenes Trinkgeld dazulassen. Das deftigstes Trinkgeld, dass wir jemals jemandem gegeben haben, aber das hat sich das Team echt verdient.

Dann gings zurück zum Campingplatz, deren Mitarbeiterin uns lachend begrüßte und uns sagte, dass sie uns schon 2x ausgecheckt habe und wir wohl immer wieder zurückkehren würden.

Morgen geht die wilde Reise dann weiter, mit nächstem Stopp in Montenegro. Und da diese ja einfach den Euro nutzen, ohne Euro-Mitglied sein zu können, hoffen wir darauf, dass wir dort die geschrumpfte Euromenge wieder aufstocken können.

Aber jetzt erst mal ein Bierchen. Prost!

Update

Die Serben wollen uns wohl verarschen, denn jetzt brennts hier direkt neben uns und alle auf dem Platz werden ordentlich geräuchert.