...auf Reisen

Teil 14 – „Hallo Herr Lehrer!“

Nachdem ich am vergangenen Samstag den letzten Blogeintrag verfasst hatte, spazierte ich über den Platz, um diesen zu erkunden. Dabei traf ich einen Mann, der auf Deutsch fragte, was ich suche. Als ich erklärte, dass ich den Platz erkunde, aber auch noch auf der Suche nach den Abwasserplätzen sei, erklärte er mir, dass ich die Reinigung am Empfang anmelden solle. Verwirrt ging ich zur „Rezeption“, was ein einfacher Wohnwagen am Eingang des Platzes ist.

Der nette Mann, der uns bereits morgens begrüßte, saß in ein Buch vertieft, vor dem Wohnwagen. Ich erklärte mein Anliegen und er wiederum erklärte mir, wo ich alles finde. Dann stand der Mann von vorhin plötzlich vor mir, es stellte sich heraus, dass das der Inhaber des Platzes ist. Er stieg umgehend in das Gespräch mit ein. Ich fragte verwundert, warum beide so gut Deutsch sprechen, woraufhin der „große Chef“, wie der ältere der Beiden den Jüngeren nannte, mich fragte: „Ist doch einfach! Kann man halt. Hast du Zeit? Lass uns zusammen eine Honigmelone essen!“

Gesagt getan, standen ein Tisch und drei Stühle im Schatten vorm Wohnwagen. Der Inhaber reichte uns Melone und wir plauderten über Deutschland, darüber, dass man in Montenegro Deutsch bereits in der Schule lernt, da vor vielen Jahren Deutsche das Land als Urlaubsziel entdeckten und dem Land dadurch „Reichtum“ brachten. Deutsche gründeten in Montenegro Europas größten FKK-Strand und sorgten dafür, dass die ärmeren Menschen des Landes durch den Tourismus ein festes Einkommen hatten. Dies wiederum führte dazu, dass man sich immer mehr in Richtung Deutschland wendete. Man lernte nicht nur die Sprache, man übernahm auch die D-Mark als Währung, so wie man nun den Euro übernommen hat, ohne Mitglied der Eurozone zu sein. Im Gespräch fragten sie mich auch, woher aus Deutschland ich komme und was ich beruflich mache. Seitdem nennen mich beide nur noch „Herr Lehrer“ oder „Herr Professor“. Das war wohl so nachhaltig, dass ich jeden Morgen vom Platzwart mit „Guten Morgen Herr Lehrer!“  begrüßt werde. Potsdam kannten sie, aber viel überraschender, sie kannten auch Trier und erwiderten dies mit „Ah ja, Rheinland-Pfalz, Mainz, Bad Kreuznach!“ Man stellte fest, dass ich dann ja vom einen Ende des Landes ans andere gezogen sei. Es stellte sich heraus, dass der Inhaber Verwandte in Frankfurt am Main hat. Dort erlebte er auch eine mehr als dubiose Geschichte, wie er mir berichtete. Ein Bekannter rief ihn an und erklärte, er habe einen Bekannten, der einen Bekannten habe, der… Naja, ihr wisst schon. Entfernte Bekannte. Auf jeden Fall wolle dieser ganz entfernte Bekannte ein Haus kaufen und habe noch ein paar tausend D-Mark gebunkert, ob er so nett sein könne, diese in Frankfurt am Main, bei seinem nächsten Familienbesuch für besagten so ganz doll entfernten Bekannten in Euro zu wechseln. Er erklärte, dass er das machen könne, wenn er ihm das Geld vorbeibrächte. Also fuhr er mit mehreren tausend D-Mark im Säckle von Montenegro nach Frankfurt, um dort in einer Bank aufzuschlagen und darum zu bitten, die Mark in Euro zu tauschen. Man erklärte ihm, dass das kein Problem sei, er solle Platz nehmen und warten. Er wartete und wartete und plötzlich kamen mehre Polizeibeamte auf ihn zu, da die „Scheinchen“ von der Reemtsma Entführung stammten. Er konnte aber glaubhaft nachweisen, wie er an das Geld kam, sodass er „nach längerem Hin und Her“ wieder gehen durfte.

Nachdem er mir dann auch noch erklärte, dass ein Freund von ihm in die Erpressung Peter Grafs, dem Vater von Steffi Graf verwickelt war, weil dieser in Frankfurts Rotlichtmilieu sein „Unwesen“ trieb, war die Melone verspeist und ich verabschiedete mich zurück zum Womo.

Ich sags euch, hier machste was mit!

Abends haben wir erneut den Sonnenuntergang und die Stille am Meer genossen. Einfach traumhaft schön!

Gestern machte ich mich dann auf den Weg, den supi dupi Bäcker und seine Backwaren zu testen. Im Übrigen habe ich beim letzten Eintrag ganz vergessen zu erwähnen, dass der Platzwart mir nicht nur den Bäcker empfohlen hat, sondern auch einen Supermarkt, der der beste der Region sei und haltet euch fest, es war der ätzende Markt in dem wir waren. Wenn das schon der beste Supermarkt der Region ist, will man die anderen gar nicht sehen. Wobei man schon sagen muss, dass die Produkte, die nicht verschimmelt waren, echt gut geschmeckt haben, aber diese aus den Körben zu klauben war halt nervig.

Die insgesamt (Hin- und Rückweg) 3,5 Kilometer zum Bäcker musste ich leider in praller Sonne laufen. Schatten war zu der Zeit leider trotz Bäume nirgendwo zu finden, aber siehe da, endlich mal halbwegs gute Backwaren. Und die Verkäuferin, mit der ich mich auf Englisch abmühte, verwickelte mich dann in den folgenden Dialog: „Where are you from?“ – „I am from Germany!“ – „Dann lass uns doch auf Deutsch reden!“

Es stellte sich heraus, dass auch sie einen Bezug zu Frankfurt am Main hat. Hoffentlich weniger kriminell als die Beziehungen des Campingplatz-Besitzers.

Gestern hat Jürgen dann unser hiesiges Standartessen, einen Salat aus Paprika, Tomaten und Gurke zubereitet, sonst haben wir am gestrigen Tag nicht mehr viel erlebt. Außer, dass wir wieder feststellen mussten, dass die Stromversorgung in Montenegro, ähnlich wie im letzten Jahr, nicht ausreichend ist. Wir haben zwar Strom, aber es reicht nicht aus, unseren Verbrauch zu decken und zeitgleich noch die Bordbatterie zu laden. Das übernimmt dann halt tagsüber die Solaranlage. Aber wie sagte der Platzwart: „Ihr müsst immer genug Bargeld dabeihaben, hier ist Balkan, hier ist immer Stromausfall. Man kommt in einen Ort und es kann passieren, dass die Automaten nicht funktionieren, weil wieder Stromausfall ist!“

Und heute so…

Jeden Morgen werde ich nicht nur vom Platzwart begrüßt, auch die Natur begrüßt mich auf unterschiedliche Art und Weise. Während gestern ein Weibchen der kleinen Fangschrecke auf unserem Stuhl thronte, saß heute eine Heuschrecke auf unserem Hinterrad im Schatten und als ich gerade anfing, diesen Text zu verfassen, sauste eine Eidechse zwischen meinen Beinen durch.

Wir stehen wieder recht alleine in erster Reihe am Meer. Bis eben stand noch ein Franzose neben uns, der gestern erst ankam, aber heute in den Schatten umzog. Als der Platzwart heute Morgen zu ihm ging, versuchten sie sich auf Englisch zu verständigen, was sichtlich bzw. hörbar schwierig war. Ich glaube, nur Italiener sprechen ein schlechteres Englisch, als der Franzose. Aber nach wenigen Minuten stellten sie fest, dass es für beide viel einfacher ist, sich auf Deutsch zu verständigen, also standen der montenegrinische Platzwart und der französische Wohnmobilist da und plauderten auf Deutsch. Wenn das nicht Europa ist, dann weiß ichs auch nicht!

2 Kommentare

  1. Geller

    Deine Geschichte ist diesmal echt cool. Was haben wir gelacht. Also echt, solche Erlebnisse kannst auch nur du haben. Herrlich. Weiterhin ganz viel Spaß

    • admin

      Krass oder? Wenn der Kerl kein Märchenonkel war, waren seine Geschichten echt „spannend“. Aber meine Recherche ergab, dass wirklich alles mit dem Frankfurter „Untergrund“ zu tun hat, weshalb das tatsächlich stimmen kann. Verstörend und spannend zugleich.

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