...auf Reisen

Teil 16 – „No, no! Sorry – No Shoes!“

Vorgestern haben wir gegen 10 Uhr den Platz in den Bergen Montenegros verlassen, um in Richtung Serbien aufzubrechen. Die letzte Etappe im kleinen Balkanstaat war wieder total schön und voller Eindrücke.

Und schon kamen wir in Serbien an. Die Grenzkontrolle ging ganz fix. Da wir zwei Nächte auf dem Platz in Belgrad verbringen wollten und bei einem Aufenthalt, der länger als 24 Stunden dauert, die „Gastgeber“ zur Anmeldung nicht serbischer Reisender verpflichtet sind, haben wir uns nicht um die Registrierung bei den serbischen Behörden gekümmert.  Wir reisten also in Serbien ein und fuhren gemütlich, weitestgehend über Land, zum Platz „Dunav“, den wir ebenfalls bereits zu Beginn der Reise mit unserer Anwesenheit beehrten. Damals sogar länger als gedacht, ihr erinnert euch, die Lichtmaschine gab den Geist auf. Zum Thema „Serbische Schrauber“ kommen wir später noch einmal, aber mit diesem Cliffhanger müsst ihr euch jetzt erst einmal zufriedengeben, denn zuvor möchte ich euch von der Route erzählen. Sie führte uns wieder durch schöne Landschaften und entlang eines Indianer Dorfes, was ein Erlebnisparkt im Cowboy- und Indianerstil ist.

Der Themenpark mit dem Namen „El Paso City“, der in der Nähe Zlatibors liegt, wurde erst vor drei Jahren eröffnet. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Eröffnung um wenige wochen, in den Mai 2020 verschoben.

Er wurde nach der gleichnamigen Grenzstadt in den USA benannt. Dort trennt der Rio Grande als natürliche Grenze die Vereinigten Staaten und Mexiko voneinander. Der durch den Park fließende Fluss trennt die beiden thematischen Einheiten in den amerikanischen und den serbischen Teil.

Auf der einen Seite des Flusses wurde die besagte Cowboy-Stadt inkl. Indianerdorf errichtet, auf der anderen Seite gibt es einen serbischen Teil mit einer Kirche und einem für das Zlatibor-Gebirge typischen kleinen Dorf.

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Ein YouTube-Video zum Park von „The Home of Travellers“

Auf dem Platz Dunav angekommen, machten wir es uns erst einmal gemütlich. Juergen erholte sich von der langen Tour. Der Chill-Out-Urlaubsmodus war wieder eingelegt, da wir ja zwei Nächte bleiben wollten. Doch dann zog abends erneut dieser Rauch auf, wie schon beim letzten Mal. Nun wurden wir jedoch richtig geräuchert. Alles zog in unser Womo, wir mussten die Fenster schließen, es kratzte im Hals, Juergen hustete ohne Ende und auch mir brannten Nase und Rachen. Ganz ungewöhnlich für mich, da ich (als Holzofen-Dorfkind) mit Rauch normalerweise Null Probleme habe. Wir empfanden den Geruch auch als eher beißend und chemisch, weshalb Jürgen zu recherchieren begann. In einer Onlinebewertung des Platzes wurden die vielen Stechmücken kritisiert. Albern, wenn man in der Natur an einem Fluss campen möchte, aber egal. Der Inhaber antwortete mit „Das ist am Fluss leider so, aber wir sprühen regelmäßig, um die Mückenanzahl einzudämmen.“ – Uff, war das etwa gerade eine Überdosis Insektengift, das sie hier über den Platz jagten?

Als dann noch eine Töle mit fünf-sechs Welpen, die allen Anschein nach zum Platz gehörten, die ganze Nacht durchbellten, sodass wir ständig wach wurden und die beschissenste Nacht der gesamten Reise hatten, beschlossen wir am nächsten Tag abzureisen. Als ich zahlte, sprach ich den Inhaber Nikolai auf den Rauch an. Er wisse nichts davon, er sei aber auch abends nicht hier gewesen. Ich erklärte, dass das schon beim letzten Mal so war, aber er erklärte erneut, er habe davon nichts mitbekommen.

Egal, wir packten alles ein und fuhren weiter nach Ungarn, wo wir in Budapest übernachten wollten. Zum Glück guckten wir morgens noch Nachrichten, denn da hörten wir, dass gerade in Budapest die Leichtathletik WM startete. Das Chaos müssen wir uns dann doch nicht antun. Also suchte Juergen einen neuen Platz raus und los ging die wilde Fahrt… Nicht!

Denn als Juergen unsere Luftfederung für die Fahrt einrichten wollte, stellte er fest, dass sie nicht funktionierte. Während ich den Strom abmachte, Toilette reinigte und fix duschen war, reparierte Juergen dann das Mädchen, wobei er ein „Geschenk“ der serbischen Schrauber entdeckte. Diese haben einen 8er/9er-Ringschlüssel im Motorraum vergessen. Kurzfristig haben wir überlegt, diesen den Jungs vorbeizubringen, sind dann aber doch auf direktem Weg nach Ungarn abgereist.

Belgrad tut unserem Womo scheinbar nicht gut. Erst die Lichtmaschine, dann die Federung. Aber letztes war zum Glück nur eine fehlerhafte Einstellung im Motorraum.

Da wir nun keine 24 Stunden an einem Ort verbracht haben, wären wir selbst in der Pflicht gewesen, uns bei den serbischen Ämtern anzumelden und die Route mitzuteilen. Also schrieb ich noch fix von Unterwegs eine „Sorry – Planänderung, daher jetzt erst die Anmeldung“ Mail. Ob die überhaupt jemand liest?

Auf dem Weg nach Ungarn stellten wir mal wieder das Problem eines Wohnmobilisten an Mautstellen fest. Die dummen Mautstellen denken immer, dass wir ein LKW sind und geben die Tickets daher an der oberen Ausgabe aus, diese ist aber zu hoch für uns, sodass man kaum an selbiges drankommt. Nervig, dass diese Stellen nicht raffen, dass wir gerne unten das Ticket hätten, wenn wir auch unten drücken.

Aber schlimmer als Mautstellen sind Grenzübergänge. Furchtbar, wir haben über zwei Stunden anstehen müssen, um in Ungarn einfahren zu dürfen. Die Zeit nutzten wir für eine Frühstückspause. Während Juergen uns Stück für Stück in Richtung Grenze im Stau nach vorne schob, belegte ich im Womo unsere Brote und schenkte uns Kaffee ein. Die EU-Grenzkontrolle ist echt irre und lächerlich zugleich. Sie wollen natürlich Flüchtlinge aufspüren, außerdem Drogen, Tier und Waffenschmuggel. Deshalb wurde JEDES (!) Auto „durchsucht“. Ein Beispiel: Der Schweizer vor uns musste seinen Kofferraum öffnen. Man öffnete ihm alle Türen und das Handschuhfach. Der Kofferraum war randvoll mit Koffern und Taschen. Da tastete man mit der Hand 2-3 mal lose drauf, hob ein Handtuch, um zu gucken, was sich drunter „versteckte“ (ach guck an, ein weiterer Koffer) und fertig. Mal im Ernst. Welcher Schmuggler wäre so doof und läge die Schmuggelware gaaaaaanz oben auf alles drauf?! Was soll so eine Kontrolle. Die kann man sich auch komplett sparen.

Als wir dran waren, kam die Zollbeamtin zu mir und sagte (wie schon bei der Einreise), auf Ungarisch, dass ich die Tür hinten öffnen solle. Auch wenn Juergen sagte, wir sollen ruhig bleiben und gute Miene zum bösen Spiel machen, um nicht weiter schikaniert zu werden, konnte ich nicht anders: ich bin sitzen geblieben. Sie wiederholten ihren Satz. Ich antwortete auf Deutsch, dass ich sie nicht verstehe, da ich kein Ungarisch spreche, aber Englisch ginge auch. Sie wiederholte sich. Ich sagte auf Englisch „Sorry, i only speak english and german! Should i open the door?“ – „yes, open!“

Na geht doch!

Ich sagte auf Deutsch: „Einen Moment bitte!“ und zog meine Schuhe aus, um nach hinten zu gehen. Dort öffnete ich die Tür und sie sagte wieder etwas auf Ungarisch. Mir war natürlich klar, dass sie wollte, dass ich die Treppe ausfahre und die Palette Bier wegräume, damit sie rein kann. Aber ich antworte „Sorry, i dont understand you!“ Sie zeigte mir, dass ich das Bier wegräumen soll und sie rein will aber ich zeigte achselzuckend auf ihre siffigen Schuhe, mit denen Sie gerade in einer Pfütze stand und erwiderte: „No, no! Sorry – No Shoes!“ Genervt rief sie männliche Verstärkung. Sie unterhielten sich auf Ungarisch, dann kam sie, fragte „Alkohol? Zigaretten?!“ Ich sagte „Yes, the Beer in your Way!“ Augenrollend erklärte sie, dass das Bier kein Problem sei. Sie sprach erneut mit einem weiteren männlichen Kollegen und sagte auf Deutsch statt auf Ungariasch: „Bitte warten!“ und ging ins Zollhäuschen. Die Grenzpolizistin gab Juergen dann alle Papiere zurück, woraufhin Juergen fragte „OK? Can we drive!?“, was sie bejate. Also schloss ich die Tür, setzte mich wieder auf den Beifahrersitz und wir fuhren los, während die Zollbeamtin mit zwei Plastiktüten ankam, die sie sich scheinbar über die Schuhe ziehen wollte. Zu spät, wir waren schon weg.

Nun stehen wir in Ungarn auf dem Lakeside Campingplatz in Győr und bleiben hier die zwei Nächte zum Entspannen, bevor es dann am Sonntag weitergeht. Nächster Stopp ist dann Prag. Letztes Jahr gabs dort zwar keine Übernachtung, aber dafür einen positiven Coronatest. Drückt uns die Daumen, dass uns das dieses Jahr erspart bleibt.

3 Kommentare

  1. Geller

    oh je, was für ein Ritt. Und habt ihr raus bekommen woher der Rauch kam. schrecklich

  2. Geller

    oh je, was für ein Ritt. Und habt ihr raus bekommen woher der Rauch kam. schrecklich

  3. Geller

    Echt unglaublich die Kontrolle in Ungarn. War vor vielen Jahren auch mal in Spanien schlimm. In Luxemburg haben sie immer Zigaretten gesucht.

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