Vorgestern haben wir ja noch ganz entspannt am Ohridsee abgehangen. Ich war, wie immer, recht früh wach, sodass ich nach dem Spülen und dem Kaffeekochen gemütlich zum See spazierte. Für Brot wars noch zu früh, da es noch vor 8 Uhr war. Am See angekommen bestaunte ich die vielen kleinen Fischis im Wasser und erfreute mich an der Stille. Nur mein Stapfen im Kies war zu hören, als plötzlich neben mir ein Pavillon aufging und mir bewusst wurde, dass in fast allen Pavillons Männer nächtigten, die ich mit meinem Stapfen weckt. Was ein Schreck, wenn man felsenfest davon überzeugt ist, alleine zu sein. Die Herren gehörten zu einer Gruppe, die mit Oldtimern und Motorrädern unterwegs waren. Mein Highlight der Gruppe war ein älterer, bärtiger Mann über dessen Frontschreibe der Satz „An old man in a old car“ thronte.
Als dann endlich 8 Uhr war und ich das labberige Weißbrot (warum haben so viele Länder einfach keine Brotkultur?!) kaufen konnte, habe ich Juergen geweckt, mich am Kaffee gütlich getan und eine neue Freundschaft zu einem Straßen-Wuffi geknüpft. Was ein süßer Hund, der sich im Schatten unseres Womos ausruhte, bevor er dann auf die Jagd nach Mäusen ging.
Und obwohl wir nichts weiter anstellten, verging die Zeit wie im Flug. Jürgen plante die nächste Etappe, suchte Supermärkte raus (was in Albanien gar nicht so einfach ist, da hier viel über Straßenverkauf läuft) und kontaktierte den Inhaber des nächsten Platzes via Whatsapp, um unsere Ankunft für den Folgetag anzukündigen. Dann schlürften wir gemütlich einen Cocktail, zum Ausklang des Abends.
Am nächsten Tag, als wir unser Womo wieder fit machten, Grauwasser abließen, Frischwasser auffüllten, etc. stellten wir fest, dass die Inhaber des Platzes selbst in einem Womo auf dem eigenen Platz leben. Auch wenn wir das Reisen in unserem Mädchen mögen, darin leben?! Nein danke. Da waren wir uns einig.
Nach einer kurzen Spritztour entlang des Sees machten wir uns auf ins Landesinnere. Neben vielen wunderschönen Landschaften und spannenden Eindrücken, wurde ich noch grauer als eh schon, als es wieder durch die Städte Albaniens ging. Aus zweispurigen Straßen macht man hier gerne spontan dreispurige und dann mussten wir auch noch auf einer Kreuzung links abbiegen. Also wer denkt, Berlins Straßen seien aufregend, der- oder diejenige sollte mal durch Albanien fahren. Juergen nutzte jede Lücke, um unser Schiff mitten auf die Kreuzung zu bringen und dann zu signalisieren „Joa, jetzt müsst ihr uns wohl durchlassen!“, was dann auch erstaunlich entspannt funktionierte. Wenn ich hier am Steuer wäre, würden wir noch immer auf der ersten Kreuzung stehen, weil ich ausgestiegen und zu Fuß weitergegangen wäre.
Bei der weiteren Tour hüpften wir von Markt zu Markt, der eine hatte nur Getränke und Zeug, das wir nicht brauchten, wie Chips oder TK-Produkte. Der Nächste hatte kein frisches Obst oder Gemüse. Dann hielten wir bei einem Bäcker, in der Hoffnung, endlich etwas Anständiges zu bekommen, aber: Wieder nur dieses weiße, labberige Brot, dass es hier an jeder Ecke gibt. Wasn da los?! Selbst ein ‚Furre Buke‘ hat kein anständiges Brot? Ich entschied mich für die einzige Alternative, einen fünferpack Riesen-Brötchen, weil: Kannten wir noch nicht. Der Inhaber, der kein Wort Englisch sprach, zeigte mir dann auf einem Schild den Preis. 60 Lek. Ich, der davon ausging, dass ein Brötchen 60 Lek (also rund 60 Cent kostet) legte einen 500 Lek-Schein hin, um verdaddelt festzustellen, dass alle fünf Mega-Brötchen zusammen nur 60 Lek kosten. Als wir diese dann später probierten, waren wir überrascht, dass sie tatsächlich Geschmack haben und auch gar nicht mal so weißbrotmatschig sind.
Andererseits wurde uns auch bewusst, dass es hier keine Ami-Kack-Ketten wie McDonalds, Starbucks und Co gibt. Stattdessen werden hier nachmittags die Grille am Straßenrand angeschmissen und Maiskolben draufgelegt. Gegrillter Mais ist hier der Snack des Feierabends. An einer Straßenecke fuhr ein Fahrradfahrer neben uns, der statt eines Korbes vorne einen Grill installiert hatte, dieser war bereits ,angeschmissen‘, damit die Kohle schon schön heiß werden konnte, um dann später den Mais zu grillen. Ein verrückter Anblick, aber auch total faszinierend.
Gemüse haben wir dann auch noch in einem süßen kleinen Lädchen bekommen, das ausschließlich frisches Obst und Gemüse vertrieb. Wie immer mit sehr freundlichem Personal, das sich fast überschlug, um mir alles einzupacken. Für Zwiebeln, Paprika, Tomaten, eine Melone und eine große Ladung Trauben habe ich keine fünf Euro gezahlt. Wohingegen Butter hier überall in Gold aufgewogen wird.
Auf der gestrigen Etappe stellten wir fest, dass alles im Landesinnere, was nicht zum Speckgürtel Tiranas zählt, deutlich ärmer ist, als an den Tourispots am Meer und an den Seen. Häuser deutlich baufälliger, wenn sie denn überhaupt fertiggestellt wurden. Bauruinen ohne Ende. Aber trotztdem findet man selbst dort immer wieder Häuser, die mit schönen Gemälden verziert sind.
Auch veränderte sich die Landschaft schlagartig. Während wir uns anfangs noch wunderten, wie grün Albanien trotz der Hitze und geografischen Lage doch ist, ist das Landesinnere deutlich vertrockneter. Statt der Pflanzen sahen wir dann alte Ölpumpen. Der Geruch von Öl lag auch überall in der Luft. Scheinbar war die Region früher mal Ölförderungsgebiet. Jetzt sah es eher so aus, als seien viele außer Betrieb oder so veraltet, dass es nur fürs Überleben reicht.
Am neuen Platz (Berat Caravan Camping) angekommen wurden wir mal wieder sehr herzlich empfangen. Der Platz, der auf keiner typischen Touriroute liegt, war sehr leer. Außer uns war nur ein ravensbrücker Womo da. Es folgten zwar noch zwei weitere, aber im Vergleich zu den anderen Plätzen, an denen Gäste gestapelt wurden, ist hier echt wenig los. Und dabei ist der Platz total schön. Sehr liebevoll gestaltet, mit Restaurant, überdachten Stellplätzen und einem Naturwasser-Pool in fußläufiger Nähe. Der Inhaber, mit dem wir am Vorabend schrieben, zeigte und erklärte mir alles und lud uns zu sich ins Restaurant auf einen Willkommendrink ein, den ich ablehnte. Wir bauten stattdessen alles auf und schnabulierten die oben erwähnten Brötchen.
Wenig später kam dann die Inhaberin und fragte, ob wir nun einen Kaffee, einen Saft oder ein Wasser möchten. Ich lehnte erneut ab, was sie überraschte. Ich bestellte aber Brot für den Folgetag. Als ich dann heute, wie jeden Morgen, nach dem Spülen und Kaffeekochen losstapfen wollte, um das Brot zu besorgen, stellte ich verdutzt fest, dass es bereits auf unserem Tisch vorm Womo auf uns wartete. Wie süß ist das bitte?! Ein Brot-Lieferdienst. Und das Brot war erstaunlich gut. Da wir aber immer erst mittags „frühstücken“, habe ich mich mit einem Kaffee vors Womo gesetzt als dann plötzlich die Inhaberin kam und uns einen Saft brachte und erklärte, dass wir ja gestern keinen Willkommensdrink hatten, sie uns aber damit gerne hier begrüßen möchte. Ich hätte nicht gedacht, dass das Getränk aufs Haus geht. Aber jeder der hier ankommt bekommt erst einmal ein Getränk gebracht. Wie schön ist das bitte? Eine kleine Geste mit großer Wirkung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Platz bei rund 300 Bewertungen den Spitzenwert von 4,9/5 Sternen erhielt.
Leider musste ich dann gleichdrauf zurück ins Womo, weil ein Gewitter aufzog. Es regnete den halben Tag, mit kurzen Unterbrechungen, was auch zu einer Abkühlung auf 22 °C führte. Aber zum Glück wars nicht so wild wie in Slowenien!
Und wie schon im letzten Jahr, hatten wir erneut einen Stromausfall. Bereits am See waren wir kurzfristig stromlos. Also Albanien, das Land mit schlechter Energieversorgung, schlechtem Internet und noch schlechterem Brot, dafür mit toller Landschaft und noch tolleren Menschen!
Update (06.08.2023)
Bei der oben gezeigten Figur, die sich auf einem kleinen Marktplatz an einem Busbahnhof befindet, handelt es sich um ein Mutter Teresa Denkmal in Qarku i Korçës. Mutter Teresa entstammt der Region. Geboren ist sie in Üsküb (damals Osmanisches Reich), was heute Skopje, die Hauptstadt Nordmazedoniens ist. Die Herkunft Teresas führt dazu, dass die Länder des ehemaligen osmanischen Reichs sie auf unterschiedlichste Art und Weise ehren. Beispielsweise steht ein weiteres Denkmal in Skopje, in der Nähe ihres nicht mehr existenten Geburtshauses. Auch wurde dort ein Museum, das Mutter-Teresa-Gedenkhaus, eröffnet. Weitere Denkmäler befinden sich in anderen Gegenden Albaniens sowie im Kosovo und weiteren Städten mit großem albanischen Bevölkerungsanteil Nordmazedoninens und Serbiens. In Albanien wird darüber hinaus der Tag der Seligsprechung von Mutter Teresa als Nationalfeiertag begangen, an dem alle Ämter, Läden und Schulen geschlossen sind. Außerdem hat die albanische Regierung einen Mutter-Teresa-Orden gestiftet. 2003 wurde der Flughafen Tiranas, ebenfalls anlässlich ihrer Seligsprechung, in „Mutter Teresa Flughafen“ umbenannt.
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