Montag 01. bis Mittwoch 03. August 2022 – Nach einer kurzen Schaffenspause, weil faul und so, folgt nun ein längerer Eintrag, der die letzten Tage zusammenfasst, oder es zumindest versucht. Bei den zahlreichen Eindrücken, Bildern, Landschaften, und Erlebnissen, werde ich sicherlich einiges vergessen. Auch bin ich noch ganz erschlagen von den Erlebnissen des heutigen Tages, sodass ich unmöglich alles erwähnen und berichten kann.

Beginnen wir mit dem ersten, noch vergleichsweise ereignisarmen Tag.

Montag 01. August 2022 – Während wir so gemütlich auf dem Platz am See saßen und den Tag genossen haben, hörten wir plötzlich einen Schlag und stellten fest, dass unser Fenster mal wieder „abgekracht“ ist. Die Halterungen sind schon lange defekt, haben nun aber scheinbar völlig den Geist aufgegeben. Da wir dann den Nachmittag mit Reparaturen verbrachten und in einem Rutsch noch die Badtür (die immer wieder klemmt) „repariert“ haben, ging so viel Zeit drauf, dass wir spontan einen Tag länger auf dem Platz blieben, um die Weiterfahrt planen und alles so erledigen zu können, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Ganz nebenbei erwähnt, reichte es Juergen scheinbar, dass die ganze Aufmerksamkeit auf meinen Verletzungen lag, so hat er sich beim super schlauen Versuch zu testen, ob unsere Schere noch scharf ist, in den Finger geschnitten. Das ist noch cleverer als nachts in Badelatschen einen Hügel runter zu klettern. Weil ihm das nicht reichte, hat er sich dann noch beim Aufschütteln der Decken die Hand so hart am Türgriff geschlagen, dass wir kurzfristig dachten, er habe sich was gebrochen.

Damit er aber nicht das ganze Mitleid auf sich zieht, habe ich nun noch einen Stich unterm Aua-Fuß. Eigentlich nicht schlimm, aber das Fuß-Thema ist ja scheinbar der rote Faden unserer Reise.

Und zum Abschluss des Tages beobachteten wir einen Schweizer, der mit Auto und winzig kleinem Anhänger ankam, an dem er dann ca. eine Stunde schraubte, klappte, zog, und rüttelte, bis gefühlt ein Einfamilienhaus dort stand. So einen Transformer-Wohnanhänger haben wir noch nie gesehen. Aber damit waren wir scheinbar nicht die Einzigen, denn eine Hand voll Camper bestaunten diesen Aufbau und fotografierten den Fortschritt.

Dienstag, 02. August 2022 – Obwohl wir erst noch einen siebten Tag auf dem Platz bleiben wollten, da dieser umsonst gewesen wäre, haben wir uns doch für eine frühzeitige Weiterfahrt entschieden. Sechs Tage einem Ort reichen bzw. sind schon fast zu lange, auch wenn der Platz wirklich schön war.

Also haben wir morgens das Mädchen gesattelt und sind weitergeritten. Als erstes haben wir einen Biomarkt angesteuert, da die lange Zeit auf dem Platz an unseren Vorräten zerrte. Die Mitarbeiterinnen im Markt waren total süß. Sie waren verdutzt, dass wir sooooo viel Käse kaufen. Mit zwei vollen Einkaufwagen (einer mit Obst, Milch, Gemüse, Käse und Brot, der andere ausschließlich mit Getränken) steuerten wir die Kasse an und zahlten ca. 70 Euro. Dafür bekommt man in unseren Biomärkten nicht mal den Käse.

Kurz danach wollte uns das Navi an einer Straße abbiegen lassen, an der dies nicht möglich war. Also mussten wir den Umweg in eine Stadt nehmen: Chaos pur, enge und volle Straßen. Bettelnde Kinder, die an die Scheiben klopften, Marktfrauen, die Hühner und Hasen in Käfigen hielten und zum Verkauf anboten. Ziegen- und Kuhhirten, die ihr Vieh durch die Gassen trieben und Pferdegespanne die die Straßen blockierten. Das alles war zugleich beeindruckend und aufregend. Ich war so durch den Wind und erschlagen von allem, dass ich nahezu keine Bilder gemacht habe. Als wir die Stadt verließen, lasen wir auf dem Ortschild, dass wir gerade Tirana, die Hauptstadt Albaniens verlassen haben. Kurz danach durchquerten wir noch Durrës, eine weitere Großstadt. Chaos inklusive!

An sämtlichen Straßen stehen junge Männer, die selbstgebrannte CDs anbieten. Was da wohl drauf ist? Wir tippen auf Schmuddelfilmchen. Hihi…

Wir sind recht planlos durchs Land gefahren und haben dabei nur einzelne Eckpunkte abgesteckt, die wir anvisierten. Unter anderem eine Stelle am Meer, die wir durch eine Stichstraße erreichten. Eine beindruckende Region, die zwischen Moderne und Verfall variierte. Plötzlich standen wir mitten in einem „Waldbrand“. Waldbrand in Anführungszeichen, weil es eher ein Buschbrand war, aber dennoch war es merkwürdig, mitten durch zu fahren.

Da der Platz am Meer nicht so schön und vor allem total verlassen war, haben wir uns entscheiden, die Küste zu erkunden und dort die Campingplätze anzufahren, bis wir ein zuhause finden. Dabei durchquerten wir einige kleine Touri-Orte, die sehr schick, modern und einladend waren. Kleine Geschäfte, süße Bars und im Vergleich zu Regionen in Spanien, Italien oder Frankreich, die ebenso putzig sind, dann doch deutlich weniger Tourismus.  

Übernachtet haben wir dann auf einem Kleinen Platz in Vlora, der alles bot, was man benötigt, aber ein wenig aufgeräumter hätte sein können. Die Plätze am Meer waren wunderschön, aber hinter unserem Platz flog schon recht viel Müll rum. Aber alleine der Wind war unbezahlbar. Nach all den heißen und schwitzigen Tagen, war es uns sogar so frisch draußen, dass wir frühzeitig rein sind.

Ach, und hier krachte dann das andere Fenster auch scheppernd zu. Gleiches Problem, andere Seite.

Mittwoch, 03. August 2022 – Als wir heute Morgen losfuhren, haben wir festgestellt, dass wir unsere Solarlampe nicht aufgeladen hatten. Da wir diese aber abends gerne nutzen, hat Juergen kurzerhand mit einer Maske eine Halterung gebaut, jetzt trägt unser Mädchen also auch Maske. Wir sind übrigens die einzigen hier, die wir in all den Tagen mit Maske gesehen haben. Wirklich! Weder in Ungarn, Kroatien, oder sonst wo. Nirgendwo hat auch nur einer eine Maske getragen. Eine Frau hatte eine Maske am Arm. Das wars!

Dann gings los, quer durchs Land bis zur Küste unmittelbar bei Korfu. Wir konnten quasi nach Griechenland spucken. Aber der Weg dorthin war unglaublich. Stellenweise so eng und steil, dass ich keine Bilder machen konnte, weil ich panisch an meinen Nägeln kauen musste. Irgendwann hatten wir dann ein Baustellenfahrzeug vor uns und ich wurde ruhige, da ich dachte, der macht uns den Weg frei! Eine Stelle war beispielsweise so eng, dass eine Ampel den Verkehr regelte. Als wir dann grün hatten und die beiden Autos vor uns und wir durch den Engpass starteten, hingen plötzlich zwei junge Männer auf einem Roller fast in uns, da sie einfach über die rote Ampel in den Engpass gerast sind. In einem Bergdorf mussten sich einige Idioten noch an parkenden Autos vorbeidrängeln und fuhren sich dann zwischen diesen und uns fest, wurden sauer und wollten, dass wir uns da raus bewegen, damit sie weiterfahren können.

Am Platz angekommen stellten wir fest, dass dieser wohl entweder nicht mehr existiert oder die GPS-Daten nicht stimmten. Also drehten wir um, beobachtete eine Frau die ihren Sohn vom Baden abholte und ihren Mercedes drehte, als sei es ein Panzer. Nach mehreren Versuchen hat sie es dann geschafft, den Parkplatz zu verlassen und wir fragten uns, wie sie bei diesen Chaoten auf der Straße und dem eigenen unsicheren Fahrstil überhaupt überleben kann. Egal, weiter gings.

Mitten auf den Wegen spazierten Kühe, die aber schlau waren: Auf der linken Seite gehen und der Gefahr ins Auge sehen.

Aber auch Ziegen und viele wilde Hunde kreuzten unsere Wege.

Richtig cool war ein Ziegenhirte, der einen beherzten Satz ins Gras machte, als wir ankamen. Verdutzt wunderten wir uns, warum er das tat, weil noch genug Platz war und wir sehr langsam fuhren, aber dann sahen wir die Ziegen, wie bei einer Kettenreaktion, ihrem Hirten es gleichtun. Alle machten den Satz in Gras und somit war die Straße frei. Seine Ziegen waren besser erzogen, als so manches Haustier.

Für den Rückweg haben wir uns dann eine neue Route herausgesucht, die zwar nicht ganz so abwechslungsreich und schön, aber dafür weniger chaotisch war. Der Weg dorthin war aber genauso wild wie die ersten Teilstrecken des Tages. Aber auch ebenso schön. Wir fuhren beispielsweise an einem Bach vorbei, dessen Wasser Kristallklar war. Wunderschön. Wir wären am liebsten reingesprungen. Aber so unsportlich wie wir sind, wären wir dann vermutlich nie wieder herausgekommen.

Nun sind wir auf einem Wohnmobilstellplatz angekommen, der zwar nicht so schön ist, da er mitten in der Stadt, an einer befahrenen Straße liegt, asphaltiert ist und die Bäume noch zu klein sind, um Schatten zu spenden. Aber für eine Nacht ist er funktional, das Personal sehr freundlich und alles ist extrem gepflegt, sauber und neu. Und vor allem: Juergen hat einen neuen Freund gefunden, den wir uns am liebsten mitnehmen würden.

Da die letzten Tage so viel geboten haben, werde ich nun eine größere Galerie „präsentieren“. Wenn ihr Lust habt, klickt euch durch, wenn nicht, auch gut. 😊