Freitag, 05. August 2022 – Den heutigen Eintrag muss ich mit Ergänzungen des vorigen Berichts beginnen. Wie ich es bereits vermutete, waren die Tage so ereignisreich, dass ich Dinge vergessen habe. Vermutlich fehlen trotz Nachtrag noch Erlebnisse, aber Folgenden möchte ich noch „nachreichen“:
Als erstes möchte ich auf die Besonderheiten der Albanischen „Straßenverkehrsordnung“ eingehen. Wichtig ist, dass man als Wohnmobil oft andere Tempolimits hat als andere Verkehrsteilnehmer, auch darf man Innerorts nur 40 fahren. Im Kreisverkehr gilt „Rechts vor Links“, es sei denn, es steht anders Beschildert am Kreisel. Aber das ist ohnehin egal, weil immer und überall auf Albaniens Straßen die Regel greift: Der mutigste hat Vorfahrt. Je größer das Fahrzeug, umso besser für die Vorfahrt. Aber auch Sturheit, Selbstvertrauen und Schnelligkeit fördern das Vorankommen. Juergen hat sich den Albanischen Fahrstil sehr schnell draufgeschafft. Und mit dem Straßenverkehr gehts auch weiter. Die engen und kurvigen Bergstraßen mit enormen Steigungen, konnten wir teilweise nur mit 17 km/h erklimmen. Darauf zielte die Bildunterschrift beim Navi ab. Das Bild zeigt jedoch, dass Juergen das Limit von 20 km/h als groben Richtwert auslegte. Aber Limitierungen machen hier auch teilweise Null Sinn. So ist eine makellose und asphaltierte Straße, ohne jegliche Kurve oder Steigung auf 40 km/h beschränkt gewesen, kurvige Schotterpisten in den Bergen durfte man hingegen mit 70 km/h fahren. Hier haben wir es, wie gesagt, bei 17 km/h belassen.
Auf selbigen Strecken kam uns gestern ein fetter Porsche entgegen. Darin ein junger Mann. Typische Zuhälter-Kriminellen-Schlitten halt. Der Fahrer machte sich sorgen um seine Prollo-Karre und hielt daher recht viel Abstand zum Gestein der Berge. Da wir allerdings 1. ein riesen Schiff fahren und 2. keine Lust bestand, den Berg herunterzukullern, haben wir dem Pornoporsche nicht unnötig viel Platz gelassen. Wir fuhren also ganz normal auf unserer Spur weiter und auf einmal hörten wir ein dumpfes Geräusch. Da hat unser Mädchen mit ihrem Seitenspiegel dem Porsche eine Ohrfeige gegeben. Das passiert halt, wenn man unserem Mädchen zu nahekommt. Hihi, wir mussten dann doch sehr grinsen, dass das Zuhälter-Bübchen seinen Spiegel gegen unseren dotzte. Dem Mädchen macht das nämlich rein gar nichts aus.
Auch wollten wir noch erwähnen, wie viele armen älteren Männer hier noch hart schuften. Ein Senior, rappeldürr und wirklich sehr zerbrechlich, schob beispielsweise einen riesigen Karren den Berg hoch. Das würde ich mit 34 Jahren nicht schaffen. In der prallen Sonne. Wahnsinn! Und die Gören in der Stadt klopfen bettelnd an die Scheiben. Wenn einer von uns Geld bekäme, dann solche alten, armen Menschen. Da man den Lek, die albanische Währung, nicht aus dem Land mitnehmen kann, werden wir das Restgeld auch solchen hart arbeitenden Menschen geben. Auch ältere Frauen sitzen noch in der knalligen Sonne und halten Schilder für Hotels, Restaurants oder sonstige Einrichtungen hoch. Oder verkaufen Honig oder Obst an Straßenständen. Echt traurig!
Ebenfalls traurig waren wir, als wir unseren Kater-Freund, wir haben ihn Kiki getauft, zurücklassen mussten. Abends haben wir ihn noch ordentlich gefüttert. Als ich ihm dann Wasser aus dem Hahn geben wollte, folgte er mir wie ein Schoßhündchen. Jedoch machte er von der Trinkmöglichkeit keinen Gebrauch, stattdessen suchte das Kätzchen später seine eigene Wasserquelle auf, um seinen Durst zu stillen. Wir hoffen, dass das Mietzi weiterhin gut versorgt wird, sodass es das Leben in der „Wildnis“ gut übersteht.
Gestern Morgen haben wir die Asphaltwüste und auch Kiki nach einer Nacht verlassen und sind zurück nach Vlora, zum Platz am Meer gefahren. Da wir dieses Mal deutlich früher dran waren, haben wir noch einen Platz in der ersten Reihe ergattern können. Während wir alles aufbauten kamen dann zwei junge Deutsche zu uns und fragten uns über den Platz aus. Wir plauderten eine Weile über unsere Reisen und stellten fest, dass der Verkehr und die Straßen uns alle nachhaltig prägten. Leider erzählten sie uns dann, dass ihr Kühler ausgefallen und der Motor daher am Kochen ist. Daher legten sie die Zwangspause auf dem Platz ein, den sie aber eigentlich gar nicht besuchen wollten. Auf unseren Rat hin haben sie dann ihre Route geändert. Durch die Berge mit ausgefallenem Kühler ist unmöglich. Da sie aber auch bis zum äußeren Rand Albaniens fahren wollten, haben wir ihnen die Schnellstraße empfohlen. Nachdem ihr Auto wieder fahrbereit war, haben sie die Weiterreise angetreten und wir haben unser mittägliches Frühstück mit Meeresrauschen im Ohr abgehalten.
Abends hörte ich dann von italienischen Nachbarn, wie sie lauthals Songs des diesjährigen Sanremo-Festivals schmetterten. Da fühle ich mich ja gleich wohl. Jürgen meinte, ich soll hingehen und mitsingen, aber da mein Italienisch eher lautmalerisch ist, wollte ich mich nicht blamieren. 😊
Viel mehr ist gestern auch nicht passiert. Mit 20 °C hatten wir die mit Abstand kühlste Nacht auf unserer Reise. Sonst lagen die Temperaturen nachts immer zwischen 28 und 30 °C. Und dennoch habe ich kaum geschlafen. Heute Morgen haben wir dann die Gardinenleisten wieder befestigt, die unseren Sprung nach einer enorm großen Bodenschwelle nicht so gut verkraftet hatten, ich genieße nun den Kaffee mit Blick aufs Meer, während Juergen noch im Womo werkelt, die schon länger mal „liegen geblieben“ sind.
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