Samstag, 06. August 2022 – Eigentlich haben wir seit dem letzten Eintrag kaum etwas gemacht und haben trotzdem einige tolle Erlebnisse gehabt. Wir genießen die letzten Tage des Urlaubs sehr und freuen uns, dass wir einen solch schönen Platz ergattern konnten.

Doch auch den heutigen Eintrag muss ich erneut mit einem Nachtrag eröffnen: In einigen Reiseforen haben wir über Albaniens Verkehrslage gelesen, dass die Regel der „gefühlten Vorfahrt“ greift, wer sich im Recht fühlt, fährt. Somit ist Juergen der Ansicht, dass er grundsätzlich richtig gehandelt hat, wenn er sich in Kreisel oder Kreuzungen reinmogelte, da er die gefühlte Vorfahrt hatte. Aber sind wir mal ehrlich, ohne Dreistigkeit, Sturheit und eine gewisse Portion Mut, gepaart mit Erfahrung am Steuer, kommt man nicht durch dieses Land.

Nachtrag, weil wir uns ja seit nunmehr zwei Nächten auf dem kleinen Platz in Vlora am Meer befinden. Bei unserer Erkundung (Juergen hats recherchiert, da ich meiner Reiseführer-Aufgabe nur bedingt nachkomme und wir vermutlich die zahlreichen Bücher umsonst gekauft haben) haben wir festgestellt, dass Vlora (auch Vlorë genannt) die drittgrößte Stadt Albaniens ist und zeitweise als Hauptstadt fungierte. Die Stadt ist auch tatsächlich recht schön. Insbesondere die Strandpromenade ist aufgehübscht. Aber eben diese Stadt hatte gestern einen Stromausfall. Das scheint uns ähnlich zu verfolgen, wie das Fußthema (aber dazu später mehr). Denn vor unserer Abreise hatte Fahrland einen „Blackout“. Naja, auf jeden Fall waren wir gerade Gnocchi mit Schinken-Käse-Sahne-Soße am Kochen (Schinken = Räuchertofu), als wir feststellten, dass der Strom ausgefallen ist. Da unsere Kühlbox und der Kühlschrank darüber laufen, haben wir fix alles umgestellt. Kühlbox über die Solaranlagen und Bordbatterien gespeist, Kühlschrank über Gas laufen gelassen und dann das Problem erkundet. Natürlich dachten wir, es läge erneut an uns. Ihr erinnert euch an den Kabeltrommelausfall des Seaside-Platzes. Alle Maßnahmen waren wirkungslos, sodass ich mich mit der Tochter des Platzwartes mühsam auf Englisch darüber verständigte, dass der gesamte Stadtteil ohne Elektrizität sei und sie hoffen, dass es bald wieder funktioniere. (Funfact am Rande: Heute habe ich herausgefunden, dass die junge Frau fließend und akzentfrei Deutsch spricht.)

Als wir das Rätsel des verlorenen Stroms gelöst hatten, konnten wir beruhigt weiter den Kochlöffel am Gasherd schwingen.

Übrigens stellte Juergen bei seiner Onlinerecherche über Vlora fest, dass ich zu Recht in Erdkunde immer miese Noten hatte, denn wir befinden uns seit ungefähr Split nicht mehr an der Adria, sondern am Ionischen Meer. Erdkunde: Setzen, sechs!

Nachdem wir mit vollen Bäuchen selbige der nachmittäglichen Sonne und der milden Meeresbrise aussetzten, kam ein netter älterer Herr und bat um Hilfe mit seinem Tablet und dem WLAN Passwort. Der Bitte bin ich gerne nachgekommen, dabei haben wir uns ein wenig unterhalten. Ich stellte erneut fest: Alle Albanienreisenden sind traumatisiert von den Bergstrecken und den bescheuerten Fahrern. Aber ebenso sind auch alle begeistert von der Landschaft! Als ich ihm vom Kühler-Schaden-Paar berichtete, mussten auch er grinsen: „Durch die Berge? Ohne Kühler???“ Wir waren uns einig, dass das keine gute Idee ist.

Nun die bereits angekündigte Exkursion zum Fußthema: keine Angst, meinem Fuß gehts wieder recht gut. Klar, ich bin noch vorsichtig, aber „läuft“! Im Gegensatz zu Juergen, der läuft aktuell nämlich nicht so gut. Beim Abbau auf dem Asphaltplatz mit der süßen Miezekatze hat er sich nämlich an einem Zeh den halben Nagel eines Zehs abgerissen. Keiner weiß so wirklich wie, aber es Schmerzt extrem. Juergen ist nicht zimperlich (im Gegensatz zu mir…hehe), wenn er also bei jedem Schritt das Gesicht verzieht, will das schon was heißen. Ich glaube nach diesem Urlaub brauchen wir erst Mal eine Kur. Habe gehört Sylt soll mit dem 9 Euro Ticket ja ganz gut zu erreichen sein?!

Aber zurück zum gestrigen Tag. Den Nachmittag haben wir damit verbracht, die Rückfahrt zu planen.

Die Fähre nach Italien war ursprünglich geplant gewesen, da Juergen nicht alleine über die vielen (nicht EU-)Grenzen fahren wollte. Ich wäre eigentlich von Bari aus nach Berlin geflogen und er wäre gemütlich zurückgefahren. Wie so oft haben wir jedoch die Planung geändert und fahren gemeinsam zurück, sodass wir den Flug schon vor Reiseantritt und nun auch die Fähre storniert haben. Die 200 Euro investieren wir lieber in was Netteres. Svea hatte da ja schon gute Ideen, in diesem Sinne: Prost! Es geht allerdings nicht nur ums Geld. Wir hätten mitten in der Nacht nach Durrës reisen müssen, um dann mit der Fähre nach Italien zu fahren, wo wir am späten Abend angekommen wären. Diese Zeit nutzen wir auch lieber sinnvoller und gemütlich auf schönen (oder auch weniger schönen) Campingplätzen.

Also haben wir die Rückfahrt geplant, alle Plätze kontaktier und am Balaton eine Absage nach der anderen kassiert. Nun steht die Route aber, nachdem wir heute erneut Platzbetreiber:innen kontaktiert und Routen geändert haben. Lediglich von Österreich haben wir bisher keine Antwort erhalten, aber da gibts genug Plätze und Notfalls schlafen wir wieder Mal auf einem Rastplatz, auch ok für eine Nacht.

Der aktuelle (man weiß ja nie) Plan sieht vor, dass wir am Dienstag (9. August) Vlora verlassen, um noch einmal den Platz am ältesten See Europas aufzusuchen. Nach nur einer Nacht gehts dann weiter zu einem für uns noch unbekannten Platz „Camp Biokovo“. Er liegt in der Nähe von Split und machte online einen guten Eindruck. Am nächsten Tag gehts weiter nach Zagreb, zum Stellplatz auf dem wir schon bei der Hinreise waren. Dort bleiben wir zwei Nächte, um dann am Samstag, 13. August nach Österreich zu fahren. Am 14. August fahren wir weiter nach Prag und am 15. August dann nach Potsdam. So haben wir noch einen Tag Puffer, bevor meine Schule mit der Vorbereitungswoche beginnt.

Und zum Abschluss des gestrigen Abends habe ich mich noch recht lange und wirklich ausgesprochen nett mit unserem Nachbarn unterhalten. Er war mit seiner Tochter hier, reiste jedoch (nach einer Woche auf dem Platz) heute Morgen ab. Wir erzählten uns von unseren Albanientouren und anderen Reisen. Er berichtet von spannenden spanischen Plätzen, wir witzelten über französische Plätze, tauschten uns über Montenegro, Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina aus. Stießen gemeinsam auf den internationalen Tag des Bieres an und berieten, wo man hier am besten einkauft oder essen gehen kann. Heute Morgen habe ich dann mal noch fix geguckt, woher unser redseliger Nachbar denn kommt und siehe da: Weißrussland. Ein Land das ich mit so vielen negativen Dingen verbinde. Eigentlich schön zu sehen, dass es überall auf der Welt herzliche Menschen gibt, auch in so fragwürdigen Ländern wie Weißrussland. Und irgendwie sind wir ja doch ein Europa!

Mit dieser herzerwärmenden Erkenntnis schließe ich den heutigen Eintrag, lege die Füße hoch und warte mit kühlem Bier in der Hand auf einen erneuten atemberaubenden Sonnenuntergang über der Adri…äääh dem Ionischen Meer!