Montag, 08. August 2022 – Da wir in der Faulenzer-Phase des Urlaubendspurts sind, haben wir erneut wenig zu berichten, aber trotzdem wieder viel zu erzählen. Auch wenn ich mich nicht als typische Deutschlehrkraft bezeichnen würde, dafür bin ich zu entspannt und unkompliziert, schwafle ich zuweilen doch recht gerne. Daher hole ich wieder weit aus und starte abermals mit einem Nachtrag, der sich auf den 06. August bezieht. Da reisten die Fürther an. Stoffel vom feinsten. Grüßen war schon zu viel verlangt. Jetzt wünschen wir sie uns aber wieder zurück!
Auf jeden Fall haben diese Fürther ewig ihr Dach aufgebaut. Ein spannendes und unterhaltsames Unterfangen. Hier ein Bändel, da eine Schnur, Spanngurte, Schlingen und Schlaufen. Mit Steinen die Nägel ein- und krumm geschlagen. Richtig fest sah es auf jeden Fall nicht aus. Als sie fertig waren kam der Platzwart und fragte, wie lange sie denn bleiben wollen, da er eine Anfrage habe und wissen müsse, ob er diese bestätigen kann. Davon sichtlich genervt, erklärten die beiden, dass sie dann halt frühzeitig bereits am Folgetag abreisen würden. So viel Baukunst für so wenig Standzeit.
Wir haben derweil mal wieder unserem Waschzwang gefrönt und erneut Wäsche gewaschen. Den Abschluss des Tages haben wir dann mit einem Cocktail genossen. Die Ruhe vor dem Sturm.
Als wir dann am Folgetag das Auto aussaugten, die Betten frisch bezogen haben und auch sonst aufräumten, kam der Platzwart und wollte wissen, ob wir abreisen. Dies verneinten wir. Kurz danach wussten wir auch, warum er unseren Stellplatz geräumt sehen wollte. Die Neuankömmlinge waren drei italienische Familien, eine davon wohl nun laut Kennzeichen in Österreich beheimatet. In Windeseile waren wir zugebaut. Neben uns ein Wohnmobil, hinter uns auf dem Weg zwischen Strand und Bar, haben sie ein Zelt aufgebaut, unseren Weg zu den Waschräumen und zur Straße versperrt nun ein zweites Wohnmobil und unser Womo ist durch deren Auto zugeparkt.
Sie sehen aus wie die letzten Asis, haben verwaschene Knasttattoos, sind unfassbar laut, nutzen unseren Platz als Weg, da ihrer vollgestellt und vollgemüllt ist, gestern haben sie bis nach zwei Uhr nachts mit zwei weiteren italienischen Familien vom Platz gefeiert. Zum Glück sind wir auch immer lange wach, sodass das für uns nicht so wild war, aber die Respektlosigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Aufenthalt.
Zwei weitere Beispiele der letzten 24 Stunden, abgesehen davon, dass sie uns umzingelt haben:
Wir sind in der Natur, da kann es schon mal dazu kommen, dass Insekten unterwegs sind. Hier beispielsweise Ameisen. Plötzlich rannte eine der Frauen mit zwei riesengroßen Giftflaschen rum, so was habe ich noch nie gesehen. Sie sprühte alles ein, so massiv, dass ich zum Meer gehen musste, da ich Kopf- und Halsschmerzen bekam. Aber bevor ich gegangen bin, sehe ich, wie sie anfing unser Wohnmobil zu besprühen. Ich erklärte, dass ich das nicht möchte und sie sofort aufhören soll, was sie nicht interessierte. Erst nachdem ich aufstand und auf sie zu ging hörte sie auf. Der Ösi-Italiener versuchte sie scheinbar (so meine Interpretation) auch abzuhalten, nachdem er meinen Einwand bemerkte. Er ist ohnehin der Einzige, der geringe Ansätze von Anstand zeigt.
Beide Ösi-Italiano-Eltern sprechen aber kaum Deutsch. Die Tochter hingegen versteht alles und kann auch halbwegs mit uns kommunizieren. Sie übersetzt immer und entschuldigt sich, wenn ihre Sippe wiederholt übergriffig wird.
Heute dann, Beispiel Nummer zwei, haben wir noch eine Ladung Wäsche gewaschen. Zum Teil, weil wir uns so ein wenig von deren Platz abgrenzen können, aber auch, weil wir dann zuhause weniger machen müssen. Kaum hing die Wäsche, hatten die Italiener ihr Muschelessen (sie sammeln sich alles Mögliche aus dem Meer und hauen es in eine Pfanne) beendet und kürzten erneut über unseren Platz und durch unsere Wäsche ab. So schon ekelhaft, wenn Fremde mit fettigen Fingern und verschwitzten Körpern an der frisch gewaschenen Wäsche vorbeistreifen, aber in Corona-Zeiten ist es erst Recht unangenehm. Als wir uns erneut beschweren mussten, dass man ja wohl, so lange die Wäsche hängt, den eigenen Weg nutzen könne (wenn man ihn nicht zugebaut hätte), musste das Mädchen sich schon wieder entschuldigen. Kurze Zeit später kam der Italiener zurück, klappte seine Stühle ein, sagte was mit Alemania, wirkte mächtig sauer und marschierte zurück zu seinem Platz. Mit etwas Glück gehts dann heute nicht wieder bis spät in die Nacht.
Und diese Lautstärke! Den ganzen Tag lang! Kaum auszuhalten! Die Erholung der letzten Tage ist echt futsch! Wir haben schon überlegt, früher weiterzufahren, aber da die Planung der Rückreise und die Reservierungen schon zwei Tage in Anspruch nahmen, haben wir uns dazu entschlossen hier zu bleiben.
Bei solchen Leuten wünscht man sich die bayrischen Stoffel zurück oder noch lieber, den Weißrussen mit seiner Tochter. Von ihm stammt auch die letzte Anekdote, die ich beim letzten Eintrag vergessen hatte: Als wir ihm sagten, dass wir erst mit der Fähre über Italien die Rückreise antreten wollten, berichtete er, dass sie mit selbiger in Albanien einreisten. Sie musste um 4 Uhr nachts dort sein, dann verzögerte sich jedoch alles und sie konnten erst um 9 Uhr aufs Schiff. Dort angekommen offenbarte man Ihnen, dass sie versehentlich die Kabinen überbucht hatten und sie daher nicht schlafen konnten, bzw. sich mit Matten auf den Boden legen mussten, um ein wenig Schlaf zu bekommen.
Nachdem wir das alles hörten, freuten wir uns umso mehr, dass wir die Route geändert haben.
Zumal wir mit diesen Fähren auch selbst nur schlechte Erfahrungen gemacht haben. Chaos bei der Anreise, widerliche Kabinen, überteuerte Preise, etc. Da wird die Fahrt so sicherlich netter und entspannter. Aber abwarten, denn auf neuen Plätzen warten auch neue Nachbarn.
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