Samstag, 23. Juli 2022 – Wow, schon Samstag! Die erste Woche ist im Nu verflogen. Gestern haben wir bereits früh morgens den Platz verlassen, um genug Zeit zu haben, bei unserer Route zum nächsten Stellplatz. Als erstes mussten wir ohnehin einen etwas größeren Einkauf tätigen, da wir nun drei Tage pausieren, bevor es erneut weitergeht. Also hieß es: Wasser in großen Mengen einladen, Käse, Obst, Gemüse und ein vorzügliches kroatisches Bier. Äppelwoi (schreibt man das so in Mundart!?) haben wir leider noch immer nicht gefunden. An Brigitte: Das nächste Land wäre Bosnien, kannst du uns eine weitere Lektion erteilen? 😊

Dafür haben wir bei einer interessant aussehenden Blätterteig-Spezialität aus dem Backregal zugeschlagen. Und „interessant“ schmeckte es dann auch! Stellt euch vor, ihr habt bei einem herzhaften Blätterteigteilchen zu wenig Salz verwendet, die Füllung vergessen und das ganze bei einer viel zu hohen Temperatur, vieeeel zu lange im Ofen gelassen. So schmeckte diese „Spezialität“. Vermutlich waren das Produkte der letzten Woche, die weg mussten.

Die nächste Reiseetappe führte uns nicht nur an der Küste entlang, wir kurvten auch durch kleine, süße und verschlafene Bergdörfchen. Sehr schade, wie viele Ruinen hier noch herumstehen. Nahezu ganze Orte sind tot. Als Jürgens Magen knurrte, suchten wir uns dann einen guten Platz zum Pausieren. Da Schatten scheinbar in Kroatien gesetzlich verboten ist, so selten wie man ihn hier zu Gesicht bekommt, haben wir uns für einen Parkplatz am Hafen entschieden. Wenn kein Schatten, dann wenigstens Wind. So konnte Juergen seine mittägliche Frühstückspause in Šibenik bei 33 °C genießen. Ich hatte schon zuvor gefuttert, da ich das Blätterteig-Massaker aufgegessen habe, als geiziger Moselanger gilt: Es wird nichts weggeworfen. (Oder spricht hier der Beamte aus mir?!) Auf jeden Fall lehrte meine Oma mich schon: „Et git gegäss wat uff de Disch kimmt!“

Nach der Pause gings dann weiter nach Split. Hier war ein Bummel geplant, aber erstens ist Split gar nicht mal so schön und zweitens haben wir dann doch recht viel Zeit verloren, sodass wir nur kurz in der Stadt waren. Stattdessen haben wir dann später nochmal einen kleinen Eis-Stopp eingelegt und einen Yachthafen (Marina) im Ort Yachthafen (Marina) entdeckt. Kroatien liebt seine Yachten so sehr, dass sie einen ganzen Ort danach benennen.

Die Entscheidung, nicht länger in Split zu verweilen, war auch wirklich sinnvoll, weil wir unmittelbar danach die Meldung bekamen, dass unsere Route gesperrt sei und wir einen Umweg fahren müssen. Dieser führte uns zwar erneut durch süße, kleine Dörfchen, kostete uns aber ca. 30-45 Minuten. Aber so konnten wir dann wenigstens noch den Sonnenuntergang bestaunen. Als wir dann wieder auf die eigentliche Straße einbogen, sahen wir Staus und Chaos. Gehupe, Mittelfinger, Gebrüll, der jugendliche, männliche Kroate scheint in Gegenwart eines Weibchens seiner Rasse zu primitivem und aggressivem Verhalten angeregt zu werden. Der Biologe in mir geht von einem Paarungsverhalten aus, welches bei männlichen Primaten durch zu kleine Genitalien gepaart mit einem zu großen Ego auftritt.

Mit etwas Verspätung kamen wir dann auf dem Platz „Camp Milo Moje“ in Drvenik an. Auch wenn hier alles recht neu und gepflegt, das Personal super freundlich und aufmerksam und die Ausstattung (Bar, Restaurant, Waschmaschinen, etc.) ansprechend ist, ist der Platz selbst doch echt nicht schön!

Wir haben einen Stellplatz Kategorie A / Seaside gebucht. Während ich hier auf der Kiesterrasse, in Reih und Glied mit den Nachbarn sitze und auf die asphaltierten Wege gucke, grüble ich darüber nach, was wohl „Seaside“ bedeutet und singe vor mich hin: „Ich würd‘ so gerne das Meer sehen, immer mehr sehen, mehr vom Meer sehen…“. Aber wenn ich mich auf den besagten asphaltierten Weg stelle, kann ich das Meer erahnen. Das mache ich jedoch nicht, denn aufgrund des in Kroatien fehlenden Schattens (der aufmerksame Leser / die aufmerksame Leserin erinnert sich an das von mir vermutete Schatten-Verbot) und der morgendlichen „dezenten“ Sommersonne, würde ich auf dem kochenden Asphalt vermutlich grillen.

Doch zurück zur gestrigen Ankunft: Nach dem Check-In waren wir dann gegen 21 Uhr auf dem Platz, bauten das Vordach auf, um morgens wenigstens ein wenig Schatten zu haben (Muhaha, nicht mit uns Kroatien! Wir machen uns den Schatten selbst!) und installierten die Stromversorgung und siehe da: Nix is! Kein Strom. Nach langem Hin und Her konnten wir dann eruieren, dass vermutlich die Kabeltrommel nicht mehr richtig funktioniert. Diese sorgte wiederum dafür, dass die Sicherung im Stromkasten herausflog und wir somit im Dunklen saßen.

Nach so einer chaotischen Ankunft hatten wir uns ein kleines Schlückchen „Opyyum“ verdient. Ein Mohnschnaps aus Ungarn, der nicht so knallt wie sein namensgebender Verwandter (so zumindest meine Vermutung), dafür aber sicherlich deutlich besser mundet.

Heute Morgen hatten wir dann die Enttäuschung des unschönen Platzes verdaut und haben den Entschluss gefasst, die drei Tage hier zu nutzen, um das Auto zu putzen, auszusaugen, scheiben zu reinigen und die Wäsche zu waschen. So kann man an den schöneren Orten wieder die Seele baumeln lassen und muss sich nicht mit der Haus-/Wohnmobilarbeit rumärgern.