27.07.2022 – Nachdem ich die gestrigen Zeilen verfasst hatte, diese aber aufgrund von fehlendem Datenvolumen in einem Tarif-Gruppe-3-Land nicht hochladen konnte, entschloss ich mich dazu, duschen zu gehen. Leider war es schon dunkel und die Duschen lagen auf einem steinigen Hügel. Keine Treppe, kein Geländer. Hoch gings super, aber runter, in nassen Badelatschen… Schwierig!
Zack, bumm, lag ich da. Resultat. Erstaunlich große Fleischwunde am großen Zeh (übrigens der gleiche Fuß, an dem schon der kleine Zeh malediert ist) und eine Schürfwunde am Knie. Meine Güte, war das ein Schreck und auch ordentliche schmerzen. Meine Badelatschen, waren voller Blut. Nach der ersten Befürchtung ins Montenegrinische Krankenhaus zu müssen, habe ich die Wunde gereinigt, mit der Haushaltsapotheke versorgt und nachdem die Schmerzen heute so gut wie weg waren und die wunde auch nicht so aussieht, als müsste da ein(e) Mediziner_in drauf gucken, haben wir uns dazu entschieden, nach Albanien weiter zu reisen. Dummerweise mussten wir den gestrigen Weg wieder zurückfahren, Gegenverkehr inklusive. Aber das ist der Vorteil von einem so großen Gefährt: Man stellt sich bestmöglich an den Rand und lässt die kleinen Autos den Rest machen.
Nach weiteren Chaoten, die uns kreuz und quer überholten oder uns auf unserer Spur entgegenkamen, weil sie jemanden überholen mussten, kamen wir an der albanischen Grenze an. Obwohl erstaunlich wenig los war, hat es dann (umso erstaunlicher) doch echt lange gedauert, bis wir die beiden Übergänge passieren konnten. Sowohl bei der Ausreise in Montenegro als auch bei der Einreise in Albanien mussten wir sogar die Fahrzeugpapiere vorzeigen. Montenegro hätte wohl ansonsten gewollt, dass wir ein geklautes Wohnmobil in ihrem Land in Geld umwandeln. Denn anders können wir uns die unzähligen Gebrauchtwagenhändler in den Bergen Montenegros nicht erklären. Sensationell sind auch die vielen jungen Männer, die sich fette Schlitten wie einen Porsche leisten können. Ich habe wohl was falsch gemacht, ein Landesbeamter in Deutschland zu werden. Als Kosovoalbaner könnte ich mir jetzt einen Porsche leisten.
In Albanien angekommen, haben wir erst einmal einen Geldautomaten aufgesucht, um albanische LEK abzuheben 20.000 LEK sind gerade einmal 170 Euro. Kurios ist, dass man diese Währung weder ins Land ein- noch aus dem Land ausführen darf. D.h. ich darf kurz vor der Abreise nach Italien wieder shoppen gehen. Ob da auch alle mit Taschenrechner wild umherlaufen?
Aber noch wollen wir gar nicht an die Abreise denken, sind wir doch gerade erst angekommen. Apropos angekommen: Ich komme scheinbar gut bei den albanischen Männern an. Humpelnt schleppte ich mich schwer verletzt in die Rezeption (Keine Angst, so schlimm ist es dann doch nicht, es ist lediglich eine Hyperbel zum Spannungsaufbau). Dort angekommen flirtete mich der junge Rezeptionist massiv an. Er sorgte sich um mein Bein, nannte mich ausschließlich „Honey“ und wollte zum krönenden Abschluss noch wissen, ob der Mann da im Wohnmobil mein Partner oder mein Vater sei. Als ich sagte, dass wir verheiratet sind, erwiderte er „Schade, aber schön! Das freut mich für dich!“ UNANGENEHM! Sein Ex kommt aus München, aber in Berlin sei er noch nie gewesen, sagte er mit einem Augenzwinkern. UNANGENEHMER!
Tja, was will man machen, wenn man so ein heißer Feger ist?! (Hört auf zu lachen!)
Nun jedoch zu den wichtigeren Dingen: Ich schreibe diesen Text gerade im Sonnenuntergang auf einem Platz, der echt großartig ist. Total gepflegt, super schön angelegt, an einem Badesee (der älteste Europas) moderne Sanitäranlagen, mit einem Restaurant das sogar vegetarische Gerichte anbietet (untypisch für den Balkan) und zu guter Letzt: mit einem Rezeptionisten, der mir „stets zu Diensten“ ist „Honey!“
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